2. Beobachtungsstudien


Wenn die Zuordnung nicht in der Hand des Experimentators liegt, so spricht man von Beobachtungsstudien.
Bsp.: Raucher/Nichtraucher

Bsp.: Clofibrat - Versuch (siehe Buch S. 12-14)
Clofibrat ist eine Tablette zur Senkung des Cholesterin-Spiegels im Blut

randomisierter kontrollierter doppelt-blinder Versuch

Clofibrate
Placebo

Umfang
Todesfallrate
Umfang
Todesfallrate
nach Vorschrift
708
15%
1.803
15%
nicht nach Vorschrift
357
25%
882
28%
Insgesamt
1.103
20%
2.789
21%

  • Beim Betrachten des Gesamtergebnisses kommt man schnell zu der Feststellung: Benutzer des Wirkstoffes und Placebos unterscheiden sich nur um 1%. Das bedeutet Clofibrat wirkt nicht!
  • Bei genauerer Betrachtung ergibt sich folgendes: Diejenigen Anwender, die die Tablette nach Vorschrift eingenommen haben, hatten eine niedrigere (15%) Todesrate als die Anwender, welche die Tablette nicht genommen haben. Die Pharmaindustrie sah dies al einen Beweis dafür an, dass Clofibrat doch wirkt!
  • Der Statistiker hingegen kommt zu einer anderen Aussage: Um die Wirksamkeit der Tablette beurteilen zu können, dürfen wir nur die Anwender betrachten, die sich nach Vorschrift verhalten haben. Und da erkennt man, dass die Raten (15%) gleich sind!? Dies bedeutet, dass Clofibrat nicht wirksam ist. Denn das Placebo erzielt die gleiche Wirkung, wie der Wirkstoff, nämlich keine.
  • Das letzte zu lösende Rätsel: Wieso hatten die Anwender nach Vorschrift eine niedrigere Rate wie die nicht nach Vorschrift handelnden, wenn Clofibrat nicht wirkt? Dies lässt sich wie folgt erklären: Die nach Vorschrift handelnden Personen leben bewusster und sind mehr um ihre Gesundheit besorgt als die andere Gruppe!

Beispiel: Zulassungsstudie der Universität von Kalifornien, Berkeley (siehe Buch Seite 17 - 20)
Der Universitätsführung wurde vorgeworfen, Männer zu bevorteilen.


Männer
Frauen
Fakultät
Bewerber
akzeptiert
Bewerberinnen
akzeptiert
A
825
62%
108
82%
B
560
63%
25
68%
C
325
37%
593
34%
D
417
33%
375
35%
E
191
28%
393
24%
F
373
6%
341
7%
Gesamt
8442
44%
4321
35%

Bei genauerem hinsehen, lässt sich erst einmal feststellen, dass dies zwischen den einzelnen Fakultäten variiert. Als man sich die Studiengänge (Fakultäten) genauer ansah, stellte man fest, dass sich die Frauen für Studiengänge entschieden, die eine sehr hohe Zugangsbeschänkung haben. (Bsp. Numerus Clausus 1,4) Die Männer hingegen bewarben sich größtenteils für Studiengänge, für die es keine Zulassungsbeschränkung gab.

Manchmal entsteht ein "Effekt" durch Zusammenfassung von Gruppen, der in den einzelnen Gruppen gar nicht besteht.
Durch eine Unterteilung in kleinere Gruppen, kann manchmal ein vermengender Faktor verhindert werden.