Präsentation von Felix Strobel zum Download:

G.A. Cohen: Equality of What? On Welfare, Goods and Capabilities


„I take it for granted that there is something which justice requires people to have equal amount of.“

„What aspect(s) of a person’s condition should count in a fundamental way for egalitarians, and not merely as cause of or evidence of or proxy for what they regard as fundamental?“

I. Rawls’ Angriff auf das Wohlfahrtsparadigma:

  • Verteilungsgerechtigkeit statt Wohlfahrtsmaximierung
  • Primary goods statt welfare

Offensive taste criticis

  • der Nutzen, der dadurch erzeugt wird, dass man andere Personen schlecht behandelt, kann nicht gleich behandelt werden
  • verschiedene Arten von Nutzen

Expensive taste criticism:

  • Personen mit ausschweifendem Lebensstil müssten in der Güterverteilung bevorzugt werden, damit die Nutzenniveau gleich sind.
    • Aber: Wer als Glücksspieler Geld verliert, sollte keinen Anspruch auf Wiedergutmachung haben, nur weil er jetzt weniger Geld hat und dementsprechend weniger Wohlfahrt.
  • Fehler: hier wird angenommen, dass Menschen passive Träger von Präferenzen sind.
  • Wenn aber Menschen auf ihre Präferenzen teilweise Einfluss nehmen können, sollten entsprechende Wohlfahrtsdefizite nicht Thema von Verteilungsgerechtigkeit sein
  • The use of primary goods [...] relies on a capacity to assume responsibility for our ends.“
  • Rawls Kritik trifft zwar die Forderung nach gleicher Wohlfahrtsverteilung, aber nicht die Forderung, dass alle Menschen gleiche Chancen, Wohlfahrt zu erreichen, haben sollten.

II. Capability und Midfare


Sens capability – Ansatz bewirkte zwei Perspektivänderungen:
  • von tatsächlicher Verteilung zu gleichen Chancen
  • von welfare und primary goods zu capabilities
  • Fokus darauf, wie sich Güter auf Personen auswirken
    • nicht auf mentale Reaktion oder Wunscherfüllung sondern auf Beförderung von capabilities

Beispiel: Tiny Tim

  • hat eine Behinderung und braucht einen Rollstuhl
  • hat gleichzeitig eine starke Disposition, glücklich zu sein – egal was passiert
  • Wenn man Tim trotzdem einen Rollstuhl zugestände, würde man also nicht auf welfare oder Chancen auf welfare abzielen
  • Stattdessen würde man Tiny Tim die Fähigkeit geben wollen, sich fortzubewegen.

Aber Sens Gebrauch des Wortes capability ist zwiespältig:
  • die Fähigkeit einer Person, gewisse Dinge zu tun
  • das, was Güter auf Menschen bewirken

midfare statt capability:

„Midfare is constituted of states of the person produced by goods, states in virtue of which utility levels take the values they do. It is ‚posterior’ to ‚having goods’ and ‚prior’ to ‚having utility’“

Wie wirken Güter auf Menschen?

  1. sie verleihen ihnen Fähigkeiten
  2. durch die Ausübung von Fähigkeiten tragen die Güter zum Ziel (z.B. Wohlfahrt) bei
  3. sie verursachen einen besseren Zustand (z.B. Medizin), ohne dass sie eine menschliche Fähigkeit

„not all midfare is capability or an exercise of capability or a result of exercising capability“

Zum Unterschied midfare – capabilites:

Beispiel: Nahrung für Babys
  • Babys erhalten sich nicht durch die Ausübung von Fähigkeiten
  • Aber die Nahrung erzeugt auch nicht nur direkten Nutzen
  • Es kann sein, dass das Essen nicht schmeckt und insofern negativen Nutzen erzeugt, aber die midfare ( in diesem Fall Ernährung) fördert
  • Weder Fähigkeiten noch Nutzen -> midfare

Utilitaristen vs. Rawls


Utilitaristen:
  • Rawls’ Maß ist zu objektiv (starr)
  • Es wird nicht auf individuelle Unterschiede eingegangen
  • Güter sollten keinen Selbstzweck haben
Rawls:
  • Es wird zu sehr auf individuelle Unterschiede eingegangen
  • zu willkürlich; zu spezifisch

beide weisen in ihrer Argumentation Richtung midfare

III. Der Aspekt der Freiheit


Sen musste, als er capabilities in den Mittelpunkt rückte noch etwas weiteres als midfare im Sinn haben:

  • es gibt zwei Arten von Gründen von primary goods oder welfare zu capability/midfare überzugehen
    • die ersten beiden Kriterien sind nicht eigentlich relevant
      • hier bietet der Begriff midfare mehr an, als der Begriff capability
    • nicht eine tatsächliche Gleichheit zählt, sondern die Chancen, die ein Mensch hat – Wahl- und Handlungsfreiheiten!
      • Der Mensch wird als aktiv tätiges Wesen betrachtet

„the central feature of well-being is the ability to achieve valuable functionings

Aber:
Nach Sens Erklärungen soll eine capability verschiedene functionings ermöglichen, aber mal sind dies Tätigkeiten, mal erreichte Zustände

Sen beschäftigt sich mit Menschen, die weder Unterkunft, noch Essen, noch gute Kleidung ....haben
  • Sen zielt nicht nur auf Fähigkeiten, sondern auch auf Zustände ab, wie z.B. Wohlgenährtheit
  • Das Leben, dass ich lebe, kann nicht allein unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, was ich erreiche
  • Nicht alles, was midfare ist, beruht auf Tätigkeiten oder Fähigkeiten
  • Freiheit und Aktivität werden im Bezug aufs Wohlergehen überbewertet


IV.Midfare und Gleichheit


Ziel der Verteilungsgerechtigkeit:

Alle Menschen sollen gleiche Fähigkeiten/gute Zustände haben

Was ist gut für den Menschen?
  • wichtige midfare ist auf einem grundlegenden Level einigermaßen objektivierbar (wichtig für Entwicklungshilfe/Sozialpolitik)
  • aber je weniger es grundlegend ist, desto kann man eine Antwort auf die Frage geben

Eine Angleichung von Fähigkeiten scheint außerhalb der Grundfähigkeiten nicht sehr erstrebenswert.

Modifiziertes Verteilungsziel:

  • Was jeder gleichermaßen haben sollte ist: access to advantage
  • Dies wird allein durch grundlegende midfare realisiert, ohne alle Fähigkeiten und Zustände gleichzusetzen