Das ökonomische Modell menschlichen Handelns

          • oder

    • Das Homo-Oeconomicus-Prinzip


Das ökonomische Modell menschlichen Handels definiert Grundannahmen und Anspuch der Ökonomie. Dabei werden Menschenbild und entscheidenden Faktoren menschlichen Handels beschrieben sowie Ansprüche an ökonomische Theorien festgesetzt.

Diese Prinzipien sind:
  1. Das Individualprinzip
  2. Das Prinzip der Problemorientierung
  3. Das Prinzip der Trennung von Präferenzen und Restriktionen
  4. Das Rationalitätsprinzip
  5. Das Prinzip der Nicht-Einzelfallbetrachtung
  6. Das Prinzip des methodologischen Individualismus

1. Das Individualprinzip


Das Individualprinzip trifft zwei grundlegende und wichtige Aussagen:
  1. Individuen richten ihr Handeln nach ihren Präferenzen aus.
  2. Individuen sind selbstinteressiert und und handeln zu ihrem persönlichen Vorteil.

Empirisch ist diese Behauptung anzufechten, allerdings lässt sich der Angriff, Menschen handelten oft auch zum Vorteil anderer Menschen dadurch abschwächen, dass man behauptet, der Nutzen anderer könnte ja auch persönlichen Nutzen bringen ("Mitfreude") und ebenfalls als Präferenz angesehen werden. Diese Annahme ist aber als Vereinfachung notwendig, dass die hier einzubeziehenden Faktoren großen Einfluss auf die Komplexität der auf ihr basierenden Theorien hat. Dieser subjektive Ansatz soll zudem externe, wertende Kriterien vermeiden helfen, die dann eine Rolle stehen, wenn man ein Individuum über den persönlichen Nutzen einer Maßnahme befragt und werten lässt.

2. Das Prinzip der Problemorientierung


Ökonomische Modelle beziehen immer nur die Faktoren mit in ihre Betrachtung mit ein, die Einfluss auf das betrachtete Handeln haben. Betrachtete Fragen der Ökonomik haben grundsätzlich mit menschlichem Handeln unter Knappheitsbedingungen zu tun. Einfluss auf das Problem haben somit die Präferenzen der Individuen und die Regeln oder Restriktionen, denen sie unterworfen sind. Aber eben nur die, die mit dem Problem zu tun haben. Bei Positionen zur Verteilungsgerechtigkeit einer Person spielt etwa die Lieblingssportart keine Rolle.

3. Das Prinzip der Trennung von Präferenzen und Restriktionen


Wie schon im letzten Punkt erwähnt, differenziert die Wirtschaft in Ihrer Analyse zwischen den
  1. Präferenzen der Individuen
  2. Regeln und Restriktionen
Dabei werden die Präferenzen-Ordnung der Individuen wird als gegeben angenommen. Die Bedürfnisse der Individuen sind in den Annahmen (1) unersättlich. Die Ordnung der Präferenzen ist (2) konsistent und (3) konstant. Auch diese Annahmen sind folgenreich: Die Unersättlichkeit der Bedürfnisse bedingt die Knappheit. Die Konsistenz sorgt durch die eindeutige Ordnung für widerspruchsfreie und überprüfbare Ergebnisse. Die Konstanz der Prämissen sorgt dafür, dass Veränderungen im Verhalten von Individuen nicht als Änderung in der Präferenzordnung, sondern Folge von Kosten- und Restriktionsänderung interpretiert werden können.

4. Das Rationalitätsprinzip


Das Rationalitätsprinzip besagt, dass Individuen in ihren Entscheidungen Folgen nach dem Maximin-Kriterium, also dem Versuch mit minimalem Input maximalen Output zu erzielen, bewerten. Sie handeln immer rational und zwar so, dass ihre Handlung den persönlichen Nutzen maximiert. An dieser Stelle setzt die Spieltheorie an, die versucht über den verursachten Nutzen verschiedener Optionen, rationales menschliches Handeln zu beschreiben. Diese Rationalitätsannahme wird oft angegriffen, weil sie empirisch wiederlegt ist, und führt auch zu tatsächlich zu Fehlern in Modellen. Menschen handeln in der Realität oft nur beschränkt rational. Diesen Ansatz verfolgt die Spieltheorie im Feld der boundend rationality.

5. Das Prinzip der Nicht-Einzelfallbetrachtung


Die Ökonomik betrachtet nicht das Handeln einzelner Individuen, sondern immer nur das Verhalten einer großen Gruppe. Aussagen lassen sich deswegen so verstehen, dass die Gesamt-Nachfrage aller Individuen nach einem Produkt steigt, wenn sein Preis sinkt, weil das die rationale Reaktion eines Marktteilnehmers wäre. Dabei müssen nicht alle Individuen entsprechend handeln, in der Gesamtbetrachtung zeigt sich aber trotzdem ein entsprechendes Ergebnis, weil andere Individuen mehr konsumieren, als rational "sinnvoll" wäre.

6. Das Prinzip des methodologischen Individualismus


Die Ökonomik versucht das Verhalten von sozialen Systemen (Gruppen, Gesellschaften, Haushalte, ect.) immer über das Verhalten einzelner in dieser Gruppe zu erklären. Alle Makro-Effekte lassen sich also durch Verhaltensweisen in der Mikro-Ebene erklären. Aufgrund dieser Annahme ist es auch legitim, das Verhalten von Organisationen, die auf Individuen basieren dem Verhalten von Individuen gleichzusetzten. Sie operieren also auf Basis gleicher Annahmen, wie etwa Präferenzen.

Links

Artikel auf Wikipedia zum Homo Oeconomicus

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